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Türkischer Zuckerwarenverkäufer

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P O Der um 1840 geschaffene Stahlstich zeigt die Begegnung eines bärtigen türkischen Zuckerwarenverkäufers mit einer orientalisch gekleideten, verschleierten Frau im Beisein ihrer Tochter in Istanbul. Verkäufer und Kundin treffen in einem alten Friedhofsgelände der Osmanen (1299-1922) zusammen, auf die im Umfeld Stelen und Grabsteine verweisen. Das Mädchen reckt sich zu dem auf Stelzen ruhenden Tablett empor, das mit »Simit« (Sesamkringel), einer typischen Istanbuler Spezialität, gefüllt ist. Im Hintergrund der Darstellung ragt der ursprünglich als Christus-Turm errichtete Galata-Turm (1348-1349) mit gehisster osmanischer Fahne empor. Der Turm prägt heute noch das Bild von Beyoğlu, dem europäischen Stadtviertel Istanbuls. Das Viertel Beyoğlu befindet sich zwischen dem Goldenen Horn und dem Bosporus. Es wurde zunächst unter seinem griechischen Namen Pera bekannt und war bereits im 5. Jahrhundert ein Vorort von Byzanz. Auch der Turm fußt auf einem Vorgängerbau, der als Sichtungsturm bereits um 527 von Kaiser Justinian I. (um 482-565) erbaut und nach der Eroberung Konstantinopels 1204 durch die Osmanen zerstört worden war. Unterhalb der zweifach gerahmten Szene findet sich die Bezeichnung des Blatts als »Türkischer Zuckerwarenverkäufer« sowie rechts der Name des Stechers »Goldberg«. Links verweist die Angabe »Brindesi« auf die Bildvorlage des gleichnamigen Künstlers. Im Bild des Westens vom Orient stehen märchenhafte Verklärung und bewusste Verzerrung unvermittelt nebeneinander. Doch schon im 19. Jahrhundert waren neben zahlreichen Schwärmern auch nüchterne Geister am Werk, die sich um objektive Erkenntnis des Orients bemühten. In unserer Zeit scheint sich wenig daran geändert zu haben. Neben authentischen Reportagen sorgen fiktive Berichte im alten Stil für die Verfestigung von bekannten Klischees: Wüste, Harem, Pracht und Sinnlichkeit neben Despotismus, Fanatismus und Radikalismus. Diese Stereotype bilden eine parallele Wirklichkeit, die durch ihre suggestiven Kräfte zählebig ist. Sie durchziehen noch heute den öffentlichen Diskurs über das Verhältnis des Westens zum »Orient«. Literatur: WeltKultur / Global Culture. Führer durch die kulturgeschichtliche Abteilung, hrsg. vom Badischen Landesmuseum, Karlsruhe 2014, S. 14-16; Das fremde Abendland? Orient begegnet Okzident von 1800 bis heute (= Ausstellungskatalog zur Sonderausstellung im Badischen Landesmuseum, Museum beim Markt 2010/2011), hrsg. von Schoole Mostafawy und Harald Siebenmorgen, Stuttgart 2010, mit weiteren Beiträgen hierzu.
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